Nach den Ergebnissen einer im British Journal of Social Psychology veröffentlichten Studie kann es helfen, eigene Abwehrreaktionen besser zu verstehen und ihre Intensität zu verringern. Das kann Beziehungen entlasten, Konflikte entschärfen, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit stärken und zugleich Selbstwert und Würde schützen.
Die Studie zeigt: Defensive Reaktionen werden stärker, wenn Menschen sich wegen eines Fehlers angegriffen fühlen — besonders dann, wenn sie zugleich das Gefühl haben, ausgegrenzt zu werden.
Psychologische Abwehr umfasst viele Strategien, mit denen wir Schuld und Verantwortung von uns weisen, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Wir können Ereignisse verzerren, Erinnerungen in einem günstigeren Licht rekonstruieren, wichtige Informationen ausblenden, die Schuld anderen zuschieben oder den verursachten Schaden kleinreden.
Die an der Flinders University durchgeführte Untersuchung zeigt: Defensive Reaktionen nehmen zu, wenn Menschen negative soziale Reaktionen, Beschämung oder Angriffe erleben. Sie nehmen dagegen ab, wenn Menschen sich in der Gruppe, mit der sie sich identifizieren, sicher, respektiert und wertgeschätzt fühlen.
Nach Ansicht der Forschenden ist es deshalb wichtig, im Gespräch mit jemandem, der möglicherweise einen Fehler gemacht hat, nicht nur die Sachebene zu betonen. Hilfreich ist es, Respekt und Wertschätzung für die Person deutlich zu machen — auch dann, wenn man mit ihrem Verhalten oder ihren Ansichten nicht einverstanden ist. Ebenso wichtig ist es, der Person zunächst Raum zu geben, ihre Sichtweise auszudrücken, bevor man das konkrete Problem anspricht.
Die Autorinnen und Autoren erklären: Defensive Reaktionen auf Fehler können unsere Fähigkeit untergraben, ein Problem klar zu erkennen und geeignete Lösungen zu finden. Langfristig kann das auch das eigene Wohlbefinden beeinträchtigen.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass angemessene Reaktionen nicht immer natürlich oder leicht fallen. Besonders dann nicht, wenn wir mit jemandem konfrontiert sind, von dem wir glauben, dass er uns Unrecht getan hat. Auch unser eigener Impuls ist häufig defensiv: Wir greifen den anderen an, stigmatisieren ihn, weisen ihn zurück oder wollen ihn bestrafen. Genau diese Reaktion kann die Abwehrhaltung der anderen Person jedoch weiter verstärken und sie für ähnliche Situationen in Zukunft noch unzugänglicher machen.
Psychologische Abwehr oder Widerstand ist eine entwickelte Selbstschutzreaktion. In milder Form kann sie sogar Vorteile haben: Sie kann helfen, sich nach Misserfolgen zu stabilisieren, optimistisch zu bleiben und das Selbstwertgefühl zu schützen. Gleichzeitig hat sie aber Kosten. Eine defensive Haltung erzeugt blinde Flecken bei Entscheidungen. Wenn Einzelne oder Gruppen defensiv reagieren, bleiben Probleme unerkannt, Betroffene werden übersehen und Beziehungen verschlechtern sich.
Die Forschenden untersuchten defensive Reaktionen auf zwischenmenschliche Grenzverletzungen und wahrgenommene ethische Verfehlungen. In solchen Situationen nehmen Abwehrmechanismen wie das Leugnen von Verantwortung, das Verschieben von Schuld, das Minimieren von Schaden oder moralische Rechtfertigungen besonders dann zu, wenn Menschen sich stigmatisiert oder zurückgewiesen fühlen.
Menschen haben ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis, als Mitglieder einer sozialen Gruppe respektiert und wertgeschätzt zu werden. Sie wollen sich als gute und passende Gruppenmitglieder oder Beziehungspartner erleben. Wenn Menschen etwas falsch machen, wird genau dieses Bedürfnis bedroht — und das kann starke Abwehr auslösen. Wird dieses Zugehörigkeitsbedürfnis dagegen gestützt, kann die defensive Reaktion schwächer werden.
Umgekehrt zeigten Menschen weniger Widerstand, wenn sie sich ihrer eigenen Gruppenidentität sicher waren — etwa dadurch, dass vor der eigentlichen Auseinandersetzung ihr Gefühl von Wert und Zugehörigkeit gestärkt wurde.
