Wenn Menschen über ihre Zukunft nachdenken, glauben manche, dass sie sich mit der Zeit zwangsläufig verändern werden — besser, freundlicher oder klüger werden. Andere erwarten dagegen, im Wesentlichen dieselben zu bleiben. Doch wie hängen solche Vorstellungen mit späterer Lebenszufriedenheit zusammen?

Eine neue Studie der University of California in Los Angeles (UCLA) legt nahe: Menschen, die glauben, dass sie sich in den kommenden zehn Jahren insgesamt eher wenig verändern werden, sind später oft zufriedener mit ihrem Leben. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science veröffentlicht.

Frühere Forschung zeigt immer wieder, dass Menschen, die sich stärker mit ihrem zukünftigen Selbst verbunden fühlen, eher in der Lage sind, Geld zu sparen, Belohnungen aufzuschieben und sich um ihre Gesundheit zu kümmern — verglichen mit Personen, die diese Verbindung weniger stark empfinden.

Vor diesem Hintergrund lag die Vermutung nahe, dass optimistische Vorstellungen über das eigene zukünftige Selbst — etwa die Erwartung, später mitfühlender oder klüger zu werden — langfristig glücklicher machen könnten. Doch genau das überraschte die Forschenden um Joseph Reiff von der UCLA.

„Je stärker Menschen ursprünglich vorhersagten, dass sie im Wesentlichen dieselben bleiben würden — unabhängig davon, ob sie eine geringere Verschlechterung oder eine geringere Verbesserung ihrer Persönlichkeit erwarteten — desto zufriedener waren sie zehn Jahre später mit ihrem Leben“, erklärt Reiff.

Landschaft und Licht

Reiff, Hal Hershfield (Anderson School of Management, UCLA) und Jordi Quoidbach (ESADE) analysierten Daten einer langfristigen Zehnjahresstudie. Ziel war es zu untersuchen, wie Vorstellungen über das zukünftige Selbst die Lebenszufriedenheit nach zehn Jahren vorhersagen.

Die Forschenden stellten fest: Sowohl Menschen, die erwarteten, sich deutlich zu verbessern, als auch jene, die mit einer Verschlechterung rechneten, zeigten zehn Jahre später eine geringere Lebenszufriedenheit. Am zufriedensten waren dagegen meist diejenigen, die glaubten, im Kern dieselben zu bleiben.

Die Studie knüpft an eine wachsende Zahl psychologischer Arbeiten an, die nahelegen, dass die Wahrnehmung von Kontinuität zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Selbst langfristig positive Entscheidungen und Ergebnisse begünstigen kann.

Für zukünftige Forschung interessiert die Wissenschaftler nun vor allem eine Frage: Warum glauben manche Menschen, dass sie im Wesentlichen gleich bleiben werden, während andere starke Veränderungen erwarten? „Welche Lebensereignisse führen dazu, dass Menschen ihre Vorstellungen über ihr zukünftiges Selbst verändern?“, fragt Hershfield.