Jede Woche schnüren Millionen Läuferinnen und Läufer auf der ganzen Welt ihre Schuhe — motiviert durch die psychologischen, gesundheitlichen und sozialen Vorteile des Laufens.

Die Parkrun-Bewegung wurde seit 2004 zu einem internationalen Phänomen mit Teilnehmenden in mehr als 20 Ländern. Doch der starke Anstieg der Popularität des Laufens in den vergangenen Jahren hat nicht nur Vorteile. Er hat auch Schattenseiten.

Eine Studie der University of South Australia, durchgeführt von Professor Jan de Jonge und seinem Forschungsteam, lenkt den Blick auf die dunklere Seite dieser Begeisterung: auf den Moment, in dem Sport zur Besessenheit wird.

Das Forschungsteam der Technischen Universität Eindhoven und der Universität Utrecht in den Niederlanden befragte 246 Läuferinnen und Läufer im Alter von 19 bis 77 Jahren. Untersucht wurde, wie der psychische Zustand einer Person das Risiko für laufbedingte Verletzungen beeinflusst.

Wenig überraschend berichteten jene Läuferinnen und Läufer von mehr Verletzungen, bei denen die Leidenschaft für das Laufen eine zwanghafte Form annahm. In diesen Fällen begann der Sport, das Leben zu dominieren — oft auf Kosten von Beziehungen zu Partnern, Freunden oder Familienmitgliedern.

Anders war es bei Menschen, die eine harmonischere Beziehung zum Laufen hatten. Ihnen gelang es besser, ihr Hobby zu kontrollieren und in ihr übriges Leben zu integrieren. Diese Gruppe erholte sich psychisch schneller nach dem Lauftraining und berichtete von weniger laufbedingten Verletzungen. Sie war auch eher bereit, frühe Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen und bei Bedarf körperliche oder mentale Pausen einzulegen.

Bei zwanghaft leidenschaftlichen Läuferinnen und Läufern zeigte sich dagegen ein anderes Muster. Sie vernachlässigten die notwendige Erholung nach dem Training und konnten auch mental kaum Abstand vom Sport gewinnen — selbst dann nicht, wenn das Laufen ihnen bereits schadete. Kurzfristig brachte dieser Ansatz gewisse Vorteile: Sie liefen schneller. Langfristig aber hatten sie mehr laufbedingte Verletzungen.

Läuferin auf einer Straße

Auch Alter und Geschlecht spielten eine Rolle. Ältere Läuferinnen und Läufer konnten sich psychisch besser erholen und regenerierten nach dem Laufen schneller als Personen im Alter von 20 bis 34 Jahren. Besonders Frauen aus dieser jüngeren Gruppe waren häufiger von laufbedingten Verletzungen betroffen.

„Die meisten laufbedingten Verletzungen entstehen durch Übertraining, übermäßige Belastung und eine unzureichende Erholung — häufig aufgrund einer zwanghaften Leidenschaft für das Laufen“, erklärt Professor de Jonge. „Ein großer Teil der Forschung konzentriert sich auf die körperlichen Aspekte von Übertraining und mangelnder Regeneration. Die psychologischen Aspekte laufbedingter Verletzungen wurden bisher jedoch weitgehend vernachlässigt.“

Wenn Laufen zwanghaft wird, kann es problematisch werden. Es ordnet das Leben einer Person dem Sport unter — auf Kosten von Beziehungen und anderen Aktivitäten. Dadurch steigt das Risiko für Verletzungen. Ähnliche Muster zeigen sich auch in anderen Sportarten, etwa im professionellen Tanz oder im Radsport.

In den Niederlanden, wo die Studie durchgeführt wurde, verursachen laufbedingte Verletzungen jährlich Kosten von rund 10 Millionen Euro — durch medizinische Behandlung, Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste. Neben Fußball gehört Laufen dort zu den Sportarten mit den meisten Verletzungen.

Für Australien liegen keine direkt vergleichbaren Daten vor. Eine Untersuchung von Medibank Private stuft Laufen jedoch als viertverletzungsträchtigste Sportart ein — nach Australian Football, Basketball und Netball. Insgesamt kosten Sportverletzungen die australische Wirtschaft mehr als zwei Milliarden Dollar pro Jahr.

Die Studie „Mental Recovery and Running-Related Injuries in Recreational Runners: The Moderating Role of Passion for Running“ wurde im International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlicht und ist frei zugänglich.